15 Jahre ENTSO-E – Vernetzt für Europa

Energiewirtschaft Netzbetrieb
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Drei Masten mit wehenden Europafahnen vor dem europäischen Parlamant.
Wenn das kein Grund zum Feiern ist: In einer Zeit, in der in Europa eher gesellschaftliche und politische Fliehkräfte zu wirken scheinen, füllt der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) den Gedanken der europäischen Verbundenheit mit Leben – und das seit 15 Jahren.

40 Übertragungsnetzbetreiber aus 36 Ländern arbeiten im Verband ENTSO-E zusammen. Sie stimmen ihre Aktivitäten ab, damit das Stromnetz in Europa sicher betrieben und ausgebaut wird. Und das vor dem Hintergrund eines zukunftsweisenden EU-Beschlusses: Europa soll bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden. Der Verband Europäischer Netzbetreiber feierte im Dezember 2024 sein 15-jähriges Bestehen. „ENTSO-E ist zu einer sehr wichtigen und starken Stimme in Europa geworden und steht für europäische Zusammenarbeit im Stromnetz“, sagte Amprion-CTO Dr. Hendrik Neumann anlässlich des Jubiläums.

Das größte Verbundnetz der Welt

Die Verbandsmitglieder sind für das europäische Verbundnetz verantwortlich. Es reicht von Dänemark bis Italien, von Portugal bis in die Ukraine und die Türkei – und transportiert Strom für über 500 Millionen Menschen. Im gesetzlichen Auftrag erstellt ENTSO-E Pläne für den Ausbau dieses Netzes (10-year network development plan, abgekürzt TYNDP), ebenso Berichte über die europäische Versorgungssicherheit (European Resource Adequacy Assessment, abgekürzt ERAA) und netzbezogene Innovationsberichte (RDI Roadmaps). Zudem formuliert der Verband technische Regeln für die europäische Stromwirtschaft. Planungen und Regelwerke werden von den europäischen Behörden überprüft und in europäisches Recht übersetzt. Nicht zuletzt berät der Verband die Politik in Energiefragen und ist somit die gemeinsame Stimme der europäischen Übertragungsnetzbetreiber in Brüssel.

Stilisierter Strommast mit Europasternen um ihn herum.
Strom für
500 Millionen

Menschen transportiert das Verbundnetz

Amprion und ENTSO-E

Wegen der Lage unseres Netzes mitten in Europa übernimmt Amprion zentrale Aufgaben für das europäische Netz – beispielsweise bei der Frequenzhaltung - und hat auch bei ENTSO-E eine tragende Rolle. Amprion ist in allen relevanten Gremien des Verbandes vertreten; Gerald Kaendler, Dr. Frank Reyer und Dr. Oliver John bekleiden führende Management-Positionen in den Bereichen Systemplanung, Systemführung und Marktentwicklung im Verband. Von 2019 bis 2023 stellte Amprion mit Joachim Vanzetta sogar den „Chair of the Board“, den Vorstandsvorsitzenden.

Bewährung in Krisenzeiten

Auf der Feier zum 15-jährigen Jubiläum zogen die Mitglieder des Verbands eine positive Zwischenbilanz: So stieg das Handelsvolumen am Strom-Terminmarkt EEX von 2004 bis 2024 von wenig über 0 auf mehr als 8000 Terrawattstunden. Auch das Handelsvolumen am Spotmarkt (EPEX Spot) ist in dieser Zeit kontinuierlich angewachsen. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix in Europa ist auf 45 Prozent gestiegen. Darüber hinaus hat ENTSO-E geholfen, in den vergangenen 15 Jahren zahlreiche Projekte im Rahmen der Vollendung des europäischen Binnenmarktes für Strom und der regionalen Kooperation erfolgreich abzuschließen sowie Krisen und kritische Netzsituationen in Europa zu meistern.

Das Foto zeigt Herrn Dr. Neumann. Dr. Hendrik Neumann ist seit 2021 Mitglied der Geschäftsführung der Amprion GmbH. Als Chief Technical Officer (CTO) verantwortet er die Aufgabenbereiche Asset Management, Netzprojekte, Offshore, Systemführung Netze und Arbeitssicherheit.

In der akuten Krise der Ukraine konnten wir in Solidarität mit unseren Partnern reagieren und die ukrainischen und moldawischen Stromsysteme in Rekordzeit synchronisieren.

Dr. Hendrik Neumann

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Amprion-CTO

Dazu zählen vor allem der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Notsynchronisierung der Stromnetze der Ukraine und Moldaus im März 2022. „In der akuten Krise der Ukraine konnten wir in Solidarität mit unseren Partnern reagieren und die ukrainischen und moldawischen Stromsysteme in Rekordzeit synchronisieren“, sagte Hendrik Neumann. Die Verbindung mit dem europäischen Verbundnetz war schneller als geplant nötig geworden, um die Ukraine an das europäische Stromnetz anzuschließen. In Zusammenarbeit mit ENTSO-E übernahm Amprion als Frequenz-Koordinator wichtige Aufgaben bei der Notsynchronisation. Als ENTSO-E-„Coordination Centre North“ hat Amprion jüngst auch die Synchronisation von Lettland, Estland und Litauen in das kontinentaleuropäische Verbundnetz eng begleitet und koordinierend unterstützt.

Info

Geschichte von ENTSO-E

Der Verband wurde am 19. Dezember 2008 in Brüssel gegründet und nahm am 1. Juli 2009 seine Tätigkeit auf. Er entstand aus sechs regionalen Verbänden der Übertragungsnetzbetreiber. Ein Vorläufer war die 1951 gegründete “Union für die Koordinierung der Erzeugung und Übertragung von Elektrizität” (UCPTE). „Inmitten der Asche, die der Zweiten Weltkrieg hinterlassen hatte, wurde eine mächtige Idee als Folge des Marshallplans geboren, der dem Alten Kontinent helfen sollte, wieder auf die Beine kommen“, heißt es dazu in einer Publikation von ENTSO-E. „Anfängliches Ziel war die effektivste Nutzung der begrenzten Energieressourcen nach den Verwüstungen des Krieges. Westeuropa wurde allmählich stärker vernetzt, und es fand mehr Austausch statt.“

Icon: Auge vor Uhr

Blick in die Zukunft

Auch in Zukunft werden auf Ebene der ENTSO-E die Aktivitäten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber bei Betrieb und Ausbau des Netzes abgestimmt. Durch die Transformation des Energiesystems und den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie zunehmender Flexibilisierung von Erzeugung und Nachfrage kommen allerdings neue Herausforderungen auf die Mitglieder zu. Sie werden ihre Zusammenarbeit weiter vertiefen, um als verlässlicher Partner zu einem klimaneutralen Europa und zur erfolgreichen Weiterentwicklung des Marktes, der Digitalisierung, der Entwicklung innovativen Technologien sowie zur Koordinierung auf lokaler, regionaler und europäischer Ebene im Energiesektor beizutragen. 15 Jahre ENTSO-E – das sei „nicht nur ein Meilenstein“, sagte Amprion-CTO Neumann. „Es ist ein Beweis für unseren kontinuierlichen Einsatz und unsere gemeinsame Vision für eine nachhaltige Zukunft.“