Ort und Datum: 
28.01.15
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Bürgerinitiative und Amprion unterzeichnen Mediationsvereinbarung

Bürgerinitiative „Menschen unter Strom e.V.“ und Amprion unterzeichnen Mediationsvereinbarung

17 Planungsvarianten für 14 verschiedene Standorte zum Bau der 380-kV-Umspannanlage in Garenfeld erarbeitet und im Detail geprüft

  • Dialogformat beweist: Ausgleich gegensätzlicher Interessen möglich
  • Einvernehmliche Lösung für alle Beteiligten gefunden
 

Die Garenfelder Bürgerinitiative „Menschen unter Strom e.V.“ und der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion haben heute in Hagen eine gemeinsame Mediationsvereinbarung zum Neubau der 380-kV-Umspannanlage in Hagen-Garenfeld unterzeichnet.

Der Neubau ist nötig, um beim geplanten Ausbau der bestehenden 220-kV-Freileitung von Dortmund-Kruckel nach Attendorn in eine 380-kV-Höchst-spannungsfreileitung die Anlage der Enervie in Garenfeld weiterhin zuverlässig anzubinden. Das wiederum sichert die Versorgung der Enervie sowie ihrer nachgelagerten Kunden in der Region. 

Mit ihren Unterschriften unter die Mediationsvereinbarung setzen beide Parteien gemeinsam den Schlusspunkt unter einen erfolgreichen Dialogprozess und beweisen damit, dass sich im Gespräch auf Augenhöhe auch zunächst unvereinbar scheinende Interessen auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Der Dialog wurde seit April 2014 mit dem expliziten Ziel geführt, unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten offen das Für und Wider möglicher Varianten zu erörtern.

„Amprion hat sich diesem Mediationsprozess gerne gestellt, um im gemeinsamen Dialog das bestmögliche Konzept zur Realisierung des Bauprojektes zu entwickeln“, sagt Dr. Ingo Jürgens, Leiter Projekt-Management bei Amprion und fügt hinzu: „Das Verfahren war für uns Neuland, aber wir sind mit dem konstruktiven Verlauf sehr zufrieden.“ Berthold Pilz, Leiter Anlagenprojekte bei Amprion ergänzt: „Es ist gelungen, ein für alle Seiten tolles Ergebnis zu erzielen. Daher ein dickes Danke an alle Beteiligten.“

Dieser für den Netzausbau in Deutschland bislang einmalige Mediationsprozess wurde mit den Mediatoren Ulrich Kleinert, Vorsitzender Richter am Landgericht a.D. sowie Rolf Heeger, Rechtsanwalt und Notar aus Hamm durchgeführt. Mit am Tisch saßen – neben der Bürgerinitiative und Amprion – Vertreter der Kommunalpolitik, der Stadt Hagen sowie des Stromversorgers Enervie.

Auf der Suche nach der besten Kompromisslösung wurden in mühevoller Kleinarbeit 14 mögliche Standorte mit 17 Planungsvarianten innerhalb und außerhalb von Hagen für den Neubau der Umspannanlage erarbeitet und einzeln bewertet. Der zur Bewertung der Standorte benutzte Kriterienkatalog wurde von allen Beteiligten mit Unterstützung eines unabhängigen Planungsbüros gemeinsam festgelegt.

Nach 15 gemeinsamen Sitzungen, bei denen ebenso leidenschaftlich wie sachlich diskutiert wurde, stand nach achtmonatiger Arbeit schließlich eine von allen Beteiligten getragene Kompromisslösung fest. Diese wurde am 5. Dezember 2014 einer Bürgerversammlung in Garenfeld zur Abstimmung vorgelegt und auch von allen 170 Anwesenden einstimmig als beste Lösung verabschiedet.

Konkret sieht das Ergebnis des Mediationsverfahrens als Standort für die neue 380-kV-Umspannanlage nun eine Fläche in Garenfeld in unmittelbarer Nähe des Waldrandes vor. Der Standort liegt damit neben der zurzeit bestehenden 220-kV-Umspannanlage der Enervie, die jedoch aufgrund sich ändernder Rahmenbedingungen im Netz der Enervie voraussichtlich vollständig entfallen kann. Sofern die nötigen Voraussetzungen dafür geschaffen sind, könnte ungefähr im Jahr 2023 der Rückbau erfolgen.

Die neue 380-kV-Umspannanlage wahrt mit ca. 400 Metern den größtmöglichen Abstand zur nächstgelegenen Wohnbebauung. Zudem wird die Anlage in ein umfangreiches Landschaftskonzept eingebettet, das durch ein darauf spezialisiertes Ingenieursbüro erarbeitet wurde. Das Konzept sorgt in Kombination mit baulichen Maßnahmen für den erforderlichen Schall- und Sichtschutz. So verringert sich die Bauhöhe der Anlage von 22,5 Meter auf 14,5 Meter. Ergänzt werden die landschaftsbaulichen Maßnahmen durch das Anpflanzen von Bäumen und Hecken sowie das Anlegen von Streuobstwiesen, die ebenfalls als Sichtschutz für die Anwohner dienen.

Mit der heutigen Unterzeichnung der Mediationsvereinbarung ist nach übereinstimmender Ansicht von Amprion wie auch von „Menschen unter Strom e.V.“ der Weg frei für die Einleitung des Genehmigungsverfahrens zur Errichtung der 380-kV-Umspannanlage. Die Bürgerinitiative wird die weitere Planung und Umsetzung des Projektes eng begleiten.

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